Bizen

große Sakeflasche (tokkuri)

Bizen-Keramik

H. 26 cm, D. ca. 15 cm

mittlere Edo-Zeit (1603-1868)
18. Jahrhundert

Im Dosendeckel zertifiziert von Katsura Matasaburō*

Euro 1.400,-

Mehr über Bizen-Keramik unter In Focus

… please scroll down …

Dieses große Tokkuri aus Bizen ist ein schönes Beispiel für die stille Kraft älterer Bizen-Keramik. Seine Qualität liegt in seiner Ernsthaftigkeit – in der Ruhe der Form, in der dichten, warmen Oberfläche und in der selbstverständlichen Verbindung von Gefäßkörper und figürlichem Dekor. Mit einer Höhe von 26 cm hat das schwere Stück eine spürbare Präsenz. Der breite, volle Körper steht sicher auf dem flachen Boden. Die Schulter steigt weich an und führt in einen kurzen, kräftigen Hals. Am Hals sowie um den Gefäßkörper verlaufen horizontale Rillen. Sie geben der Form einen klaren Rhythmus und betonen den handwerklichen Aufbau des Gefäßes.

Der Scherben zeigt ein warmes Rotbraun bis Dunkelbraun. Die Oberfläche ist ruhig und dicht gebrannt. Dunklere Brandzonen, kleine Eisenpunkte, mattere Partien und Gebrauchsspuren verteilen sich dezent über den Körper. Nichts drängt sich auf. Das Gefäß hat eine Qualität, die sich bei längerer Betrachtung erschließt.

Auf dem Gefäßkörper befinden sich figürliche Applikationen. Sie sind kleinformatig und eng mit der Wandung verbunden. Die Figuren treten maßvoll hervor und bleiben in den Körper des Gefäßes eingebunden. Ihre Modellierung ist konzentriert, lebendig und stellenweise erstaunlich detailreich. Jede Figur besitzt eine eigene Haltung und ihre eigene plastische Präsenz.

Die drei Figuren zeigen Glücksgötter aus dem Kreis der Sieben Glücksgötter – Hotei, Ebisu und Jurojin. Hotei, der rundliche Glücksmönch, steht für Gelassenheit, Fülle und Zufriedenheit. Ebisu, der Gott des Fischfangs und des Handels, verkörpert gutes Gelingen und Wohlstand. Jurojin, der alte Weise, ist der Gott der Langlebigkeit und der ruhigen Beständigkeit.

Beim Drehen des Gefäßes lösen sich die Figuren langsam aus der dunklen Oberfläche. Sie wirken wie kleine Bildzeichen, die eng mit der Wandung verbunden sind. Dadurch entsteht der Eindruck eines figürlichen Dekors, das vollständig in die Form des Tokkuri eingebunden bleibt.

Zusammen bilden die drei Figuren ein ausgewogenes Dekor. Sie gliedern den Gefäßkörper in drei Ansichten und machen das Tokkuri zu einem Stück, das sich erst in der Hand vollständig erschließt.

Der Boden zeigt ein kleines eingedrücktes Zeichen, ein kamajirushi, also ein Ofen- oder Werkstattzeichen. Begleitet wird das Tokkuri von einer Holzdose mit Beschriftung von Katsura Matasaburō.*

Beschriftung des äußeren Deckels:

古備前  Ko-Bizen „Altes Bizen“

人形徳利  ningyō-tokkuri „Figuren-Tokkuri“

Klebezettel auf der äußeren Holzdose:

備前 三ツ布袋 徳利  Bizen mitsu Hotei tokuri   „Bizen-Tokkuri mit drei Hotei-Figuren“

Beschriftung der Deckelinnenseite

江戸中期之作  Edo chūki no saku „Werk aus der mittleren Edo-Zeit“

高サ 二六〇糎  takasa 26 senchi „Höhe: 26,0 cm“

口径 四五糎  kōkei 4,5 senchi  „Mündungsdurchmesser: 4,5 cm“

高台径 一〇〇  kōdaikei 10,0  „Durchmesser des Fußrings: 10 cm“

「…」印 企  Die Lesung dieser Zusatzzeile bleibt unsicher. Hier handelt es sich wohl um einen internen Vermerk von Matasaburo.

桂又三郎 極  kiwame Katsura Matasaburō  „Von Katsura Matasaburō begutachtet und bestimmt.“

* Katsura Matasaburō (1901–1986) war ein japanischer Kenner und Sammler historischer Keramik, dessen Name besonders mit der Beschäftigung mit früher Bizen-Keramik verbunden ist. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts erwarb er sich in spezialisierten Sammler- und Fachkreisen Anerkennung als genauer Beobachter und verlässlicher Beurteiler überlieferter Keramikformen. Sein Interesse galt vor allem den Arbeiten der Momoyama- und Edo-Zeit. Er widmete sich der sorgfältigen Betrachtung von Material, Brandspuren und Formtraditionen und achtete dabei auf die konkrete Überlieferung der Objekte und ihre Geschichte im Gebrauch. Diese Haltung prägte seine Sammlung ebenso wie seine schriftlichen Arbeiten zur Einordnung historischer Bizen-Ware. Sein Name ist darüber hinaus mit beschrifteten Aufbewahrungsboxen verbunden, die bis heute als wichtige Zeugnisse der Provenienz und späteren Einordnung gelten. Katsura Matasaburō gehört zu jener Generation von Kennern, die wesentlich dazu beigetragen haben, historische Bizen-Keramik präziser zu bestimmen und ihre Überlieferung im Sammlungszusammenhang nachvollziehbar zu machen.

« zurück