Shinshu

großes Sakegefäß (o-sake tsubo)

Shinshu-Keramik

H. 40 cm, D. ca. 35 cm

Momoyama-Zeit (1573-1603)
um 1600

Mit einem begleitenden Zertifikat von Katsura Matasaburō*

Euro 2.900,-

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Dieses große Sake-Gefäß aus Ko-Shinshū ist ein seltenes Beispiel früher japanischer Gebrauchskeramik aus der historischen Provinz Shinano, dem heutigen Nagano. Anders als Bizen, Shigaraki oder Tamba gehört Shinshū nicht zu den großen kanonischen Ofenzentren Japans. Gerade deshalb sind frühe Gefäße dieser Herkunft heute deutlich seltener überliefert und nur selten auf dem Markt zu finden.

Mit einer Höhe von 40 cm besitzt das Gefäß eine außergewöhnliche Präsenz. Der breite, volle Gefäßkörper steigt weich aus dem Boden auf und verjüngt sich zu einem kurzen, kräftigen Hals mit weit ausladender Lippe. Die Form wirkt selbstverständlich und ungezwungen. Gerade diese Ruhe verleiht dem Stück seine besondere Dichte.

Das Gefäß stammt aus der Momoyama-Zeit des späten 16. Jahrhunderts, einer der bedeutendsten Phasen der japanischen Keramikgeschichte. In dieser Zeit gewinnen Material, Brandspuren, unregelmäßige Oberflächen und die unmittelbare Verbindung von Funktion und Form eine neue ästhetische Bedeutung.

Die Keramikproduktion in Shinshū bestand aus kleineren regionalen Ofentraditionen. Produziert wurden vor allem robuste Gebrauchsgefäße, Vorratsbehälter und landwirtschaftliche Keramik. Gerade große Vorratsgefäße wie dieses bewahren den ursprünglichen funktionalen Charakter japanischer Hochbrandkeramik in besonderer Klarheit.

Der Scherben zeigt ein warmes Rotbraun bis tiefes Dunkelbraun mit schwarzgrauen Brandzonen. Die Oberfläche besitzt eine dichte, fast lederartige Qualität. Im Licht erscheinen feine horizontale Drehspuren, matte Bereiche, dunklere Eisenzeichnungen und ältere Gebrauchsspuren. Die Haut des Gefäßes wirkt gewachsen, nichts drängt sich auf. Beim Umgehen verändert sich die Wirkung seiner Oberfläche ständig. Dunkle Brandspuren treten hervor und verschwinden wieder im warmen Rotbraun des Scherbens. Dadurch entsteht eine stille Lebendigkeit, die sich erst bei längerer Betrachtung vollständig erschließt.

Der Boden zeigt deutliche Alterungs- und Gebrauchsspuren. Die Wandung besitzt eine spürbare Materialstärke und vermittelt jene physische Präsenz, die frühe japanische Funktionskeramik auszeichnet.

Begleitet wird das Gefäß von einem handschriftlichen Gutachten von Katsura Matasaburō.

Beschriftung des Gutachtens:

古信州
Ko-Shinshū „Altes Shinshū“

大酒壺
ō-saketsubo „Großer Sake-Krug“

桃山時代
Momoyama jidai „Momoyama-Zeit“

高さ 四〇・〇 糎
takasa 40,0 senchi „Höhe: 40,0 cm“

口径 一九・〇 糎
kōkei 19,0 senchi „Mündungsdurchmesser: 19,0 cm“

底径 二三・〇 糎
teikei 23,0 senchi „Bodendurchmesser: 23,0 cm“

桂又三郎 極
kiwame Katsura Matasaburō
„Von Katsura Matasaburō begutachtet und bestimmt.“

鑑定書
kanteisho
„Echtheitsgutachten“

Katsura Matasaburō (1901–1986) war ein japanischer Kenner und Sammler historischer Keramik, dessen Name besonders mit der Beschäftigung mit früher Hochbrandkeramik verbunden ist. Sein Interesse galt vor allem den Arbeiten der Momoyama- und Edo-Zeit. Er widmete sich der sorgfältigen Betrachtung von Material, Brandspuren und Formtraditionen und achtete dabei auf die konkrete Überlieferung der Objekte und ihre Geschichte im Gebrauch. Seine beschrifteten Gutachten und Aufbewahrungsboxen gelten bis heute als wichtige Zeugnisse der Provenienz und späteren Bestimmung japanischer Keramikobjekte.

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