Bizen
Gefäß (tane-tsubo/mizusashi)
Bizen-Keramik
H. 18 cm, D. ca. 16,5 cm
Momoyama- bis frühe Edo-Zeit
spätes 16./frühes 17. Jh.
Provenienz:
– Auktionshaus Klefisch Köln, 2008
– seitdem Sammlung kirbach.kress
Euro 3.600,-
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Dieses kleine, kraftvoll gebaute Gefäß gehört zu jener Gruppe früher Bizen-Keramiken, deren ursprüngliche Nähe zu bäuerlichen Vorratsformen im Kontext der Teezeremonie eine neue ästhetische Bedeutung erhielt. Die gedrungene, spannungsvoll aufsteigende Form mit kurzem, weitem Hals, kräftigem Wulstrand und zwei kleinen schlaufenförmigen Ösen auf der Schulter verweist auf den Typus des tane-tsubo, eines kleinen Vorratsgefäßes. Zugleich spricht die bewusst geglättete und stark gerundete Innenausformung dafür, dass das Stück nicht lediglich nachträglich als Wassergefäß verwendet, sondern wohl bereits für den Gebrauch als mizusashi gedacht und gezielt dafür geeignet gefertigt wurde.
Der schwere, eisenhaltige Scherben zeigt die für alte Bizen-Keramik charakteristische, unglasierte Oberfläche, deren Wirkung allein aus Ton, Feuerführung, Ascheanflug und Reduktion entsteht. Rötlichbraune Partien, graublaue Zonen, schwarze Brandspuren und gelbliche goma-Anflüge verbinden sich zu einer lebendigen, beinahe landschaftlichen Zeichnung. Die leichten Verformungen des Halses und die unregelmäßige Silhouette verleihen dem Gefäß jene gespannte Natürlichkeit, die im Teegeschmack der Momoyama- und frühen Edo-Zeit besonders geschätzt wurde.
Gerade die Spannung zwischen äußerer Anlehnung an eine rustikale Vorratsform und innerer funktionaler Verfeinerung macht den besonderen Reiz des Stückes aus. Außen nimmt es den archaischen Typus des einfachen Vorratsgefäßes auf, übersetzt ihn jedoch in eine zurückhaltend elegante, für den Teeraum bestimmte Formensprache; innen ist es so geführt, dass die Verwendung mit der Bambus-Schöpfkelle der Teezeremonie überzeugend möglich erscheint. Damit steht das Gefäß beispielhaft für die Umwertung und Übersetzung alltäglicher keramischer Formen im Umfeld des Teeweges, in dem Natürlichkeit, Gebrauchsspuren, Unregelmäßigkeit und feuergeborene Oberfläche zu Trägern ästhetischer Bedeutung wurden.
So verbindet das Gefäß die robuste Körperlichkeit alter Bizen-Ware mit einer für den Teeraum bestimmten Konzentration und Stille.
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