Keiko Sadakane

Mariupol, 2026

Tapisserie
200 x 240 cm 

Künstlerin:
Keiko Sadakane (geb. 1948)

Auflage: 2 + 1 EA

Preis auf Anfrage

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Zeichnung von Rolf Cavael

Keiko Sadakane – Mariupol

Auszug aus der Eröffnungsrede von André Kirbach, 12.06.2026, Showroom Düsseldorf

„… Mariupol ist der Titel dieser Ausstellung. Zugleich verweist dieser Titel auf eine der wichtigsten Arbeiten, die heute hier gezeigt werden – einem Hauptwerk im Schaffen von Keiko Sadakane.

Keiko Sadakane nimmt in dieser Arbeit Bezug auf die ukrainische Stadt Mariupol und auf die Bombardierung des dortigen Theaters im März 2022. Das Theater war während des russischen Angriffs zu einem Schutzort für Zivilisten geworden. Die Zerstörung dieses Gebäudes steht bis heute beispielhaft für die Gewalt dieses Krieges und für das Leid der Menschen, die dort Zuflucht gesucht hatten.

Ausgangspunkt der Arbeit war eine fotografische Vorlage der zerstörten Prunktreppe des Theaters, die Keiko Sadakane der Rheinischen Post entnommen hat. Diese Aufnahme hat sie digital bearbeitet und mit einer zweiten Bildebene verbunden: einem dichten Feld aus bunten Blumen und Pflanzen.

Die Treppe bleibt sichtbar. Man erkennt die Architektur, die Stufen, die beschädigte Struktur. Zugleich legt sich ein Blumenteppich über das Bild. Die Pflanzen wachsen in die zerstörte Architektur hinein, verbinden sich mit ihr und verändern unsere Wahrnehmung des Ortes.

Die Arbeit zeigt Zerstörung und Verlust. Zugleich führt sie einen zweiten Gedanken ein: Orte bleiben nach einer Katastrophe in Veränderung. Natur, Zeit und Erinnerung legen sich über das Geschehene. Die Blumen geben dem Bild eine Ebene des Weiterlebens. Sie zeigen, dass Erinnerung sich fortsetzt, wächst und neue Formen annimmt.

Die Arbeit Mariupol wurde als Wandteppich in Belgien gefertigt, in einer renommierten Tapisserie-Manufaktur. Wandteppiche waren über Jahrhunderte Träger von Geschichte, Macht, Erinnerung und Erzählung. Sie hingen in sakralen Räumen, in Schlössern und öffentlichen Gebäuden. Sie zeigten religiöse Szenen, historische Ereignisse, Landschaften, Wappen und politische Bilder.

Zugleich hatten Wandteppiche eine besondere Form von Beweglichkeit. Man konnte sie aufrollen, transportieren, bewahren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfalten. Genau dieser Gedanke führt für mich zurück zu Mariupol.

Die Arbeit zeigt einen wichtigen Moment der Geschichte für die Ukraine. Der Wandteppich von Keiko Sadakane zeigt dieses Bild der Zerstörung und gibt ihm zugleich eine sanftere Form, die bewahrt werden kann. Er macht aus einem unerträglichen Pressebild, das zunächst an einen bestimmten Moment gebunden war, ein dauerhaftes Bildgedächtnis, angelehnt an die alte europäische Tradition der Tapisserie.

Wenn dieser Teppich ausgerollt wird, erscheint Mariupol wieder im Raum: die Treppe, die Zerstörung, die Blumen, die Erinnerung. Und wenn er zusammengerollt wird, verschwindet das Bild nicht einfach. Es bleibt vorhanden, geschützt im Material, bereit, erneut sichtbar zu werden.

Keiko Sadakane ist keine Mahnerin. Sie versteht sich selbst nicht vorrangig als politische Künstlerin. Keiko kommt aus einer japanischen Tradition, und zugleich spielt ihre Erziehung in einer katholischen Klosterschule in Japan eine wichtige Rolle. Die Verbindung von japanischer und christlicher Tradition ist in ihrem Werk immer wieder spürbar. Besonders auch hier in dieser Ausstellung. Keiko selbst bezeichnet ihre Kunst der letzten Jahre gerne als narrativ konkret.

In der großen Arbeit Mariupol greift Keiko die alte Bildform der Tapisserie auf und führt sie in die Gegenwart. Aus einer fotografischen Vorlage, einer digitalen Bearbeitung und einem Blumenmotiv entsteht ein Wandteppich, der von einem konkreten historischen Ereignis ausgeht und zugleich die Frage stellt, wie Erinnerung sichtbar bleiben kann. Als künstlerischer Ausdruck öffnet Keiko Sadakane einen Raum für Erinnerung, für Mitgefühl und für die Hoffnung, dass aus Zerstörung wieder eine andere Form von Gegenwart entstehen kann.

Ich freue mich sehr, dass wir diese Arbeit heute Abend erstmals zeigen können. …“

 

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