Gurage
Schneidebrett
handgewebte Baumwolle, Leder, Kaurischnecken, Spiegelglas, Metall, Horn, und weitere Materialen
ca. H. 10 cm, B. 12,5 cm, L. 52 cm
Volk der Gurage, Äthiopien, 1. Hälfte 20. Jahrhundert
Provenienz:
Sammlung kirbach.kress
Euro 850,-
Die Gurage leben im südzentralen Hochland Äthiopiens und umfassen mehrere kulturell und sprachlich miteinander verbundene Gruppen. In ihrer materiellen Kultur besitzt die Bearbeitung von Holz eine lange Tradition. Gebrauchsgegenstände wie Hocker, Kopfstützen, Schalen, Servierplatten und Schneidebretter wurden häufig aus massivem Holz gearbeitet und mit streng geometrischen Ritz-, Kerb- und Durchbruchmustern versehen. Eine besondere Rolle spielen die für die Verarbeitung von Fleisch bestimmten Schneidebretter. Sie stehen im Zusammenhang mit der ausgeprägten Fleischkultur der Gurage und der Zubereitung von Kitfo, bei der frisches Rindfleisch sehr fein gehackt wird.
Bei diesem 52 cm langen Exemplar fällt zunächst die ungewöhnlich sorgfältige Durcharbeitung des gesamten Holzkörpers auf. Die Seiten sind mit dichten geometrischen Ritzmustern gegliedert; darunter folgt eine rhythmische Reihe tief herausgearbeiteter, keilförmiger Durchbrechungen, deren rippenartige Struktur unmittelbar in die vier Füße übergeht. Besonders in der Seiten- und Unteransicht entsteht daraus eine fast architektonische Ordnung, die weit über die rein funktionale Gestaltung eines Gebrauchsgegenstandes hinausgeht.
Die Oberseite erzählt zugleich von einer außerordentlich langen Nutzung. Unzählige Schnittspuren, Abrieb und Glättungen haben die Arbeitsfläche verändert und eine sehr dichte, warmbraune bis tief dunkelbraune Gebrauchspatina entstehen lassen. Die präzise geschnitzte Unterseite und die durch jahrzehntelange Benutzung geformte Oberfläche verbinden sich wie selbstverständlich und verleihen diesem Schneidebrett eine ausgesprochen skulpturale Qualität. Viele Feinheiten der Bearbeitung und der Oberfläche erschließen sich dabei erst am Original.
Ein Fuß weist einen alten, entlang der Holzfaser entstandenen Bruch auf und wird heute durch einen kleinen, von mir sichtbar belassenen Nagel in seiner ursprünglichen Position gehalten. Das Brett ist von außergewöhnlich hoher handwerklicher und gestalterischer Qualität und gehört zu den eindrucksvollsten Schnitzwerken der Gurage, die ich bislang persönlich in Händen gehalten habe.
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