Gniedelstein
Glättstein (Glättglas)
dunkelgrünes, fast schwarzes Glas
H. 3 cm, D. 9 cm
Deutschland, 18./19. Jahrhundert
Provenienz:
Sammlung kirbach.kress
Euro 160,-
Gniedelsteine, auch Gniddel- oder Gnittelsteine genannt, gehören zu einer Gruppe gläserner Arbeitsgeräte, die über viele Jahrhunderte in nahezu unveränderter Form verwendet wurden. In der archäologischen und kulturhistorischen Literatur hat sich dafür zunehmend die Bezeichnung Glättglas eingebürgert. Die frühesten europäischen Funde reichen bis in das frühe Mittelalter zurück; vergleichbare Stücke blieben regional bis weit in die Neuzeit in Gebrauch.
Die meist runden oder leicht ovalen Glaskörper bestehen aus massiver Glasmasse. Eine Seite ist glatt und leicht gewölbt und diente als Arbeitsfläche. Auf der gegenüberliegenden Seite finden sich häufig Vertiefungen, Heftnarben oder Abrissspuren, die auf den Herstellungsprozess zurückgehen. Das Glas erscheint bei vielen erhaltenen Exemplaren nahezu schwarz, zeigt bei stärkerem Lichteinfall jedoch grüne oder braune, selten auch blaue Töne.
Verwendet wurden Glättgläser vor allem bei der Bearbeitung von Textilien. Mit der glatten Fläche wurde das Gewebe unter Druck geglättet und verdichtet. Besonders eng ist ihre Verwendung mit der Verarbeitung von Leinen verbunden. Archäologische Funde zeigen häufig Kratz- und Polierspuren auf der Arbeitsfläche, die vom langen Gebrauch zeugen.
Das vorliegende Exemplar gehört mit einem Durchmesser von 9,5 cm und einer Höhe von 3 cm zu den größeren Glättgläsern. Seine breite, stark gewölbte Arbeitsfläche ist dicht mit feinen Gebrauchsspuren überzogen. Auf der Rückseite hat sich eine markante Heft- beziehungsweise Abrissspur erhalten.
Glättgläser standen über lange Zeit neben anderen Geräten zur Behandlung von Stoffen und Leder. Ihre einfache, geschlossene Form erwies sich dabei als außerordentlich dauerhaft. Erst mit der zunehmenden Verbreitung metallener Bügel- und Glättgeräte verloren sie im Haushalt und im Handwerk allmählich an Bedeutung.
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