Bizen

große Sakeflasche (kabura tokkuri)

Bizen-Keramik

H. 22,5 cm, D. ca. 21 cm
3,1 kg

Momoyama-/ frühe Edo-Zeit
17. Jahrhundert

Euro 2.800,-

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Ein gutes altes Tokkuri aus Bizen in klassischer Kabura-Form (kabura – Rübe). Der gedrungene, volle Körper und der kurze Hals geben dem Gefäß Ruhe, Gewicht und eine angenehme Präsenz. Der Scherben ist kräftig. Die Oberfläche zeigt schöne Ofenzonen, warme rötlich-braune Brandfarben, feinen Ascheanflug und kleine Schmelzspuren. Eine Keramik von hoher Qualität und sehr schöner Ausstrahlung.

Im Teeweg wurde das Gefäß später als Blumengefäß verwendet. Die rote Lackbeschriftung auf der Schulter hält diese Umdeutung ausdrücklich fest:

花入
hanaire
„Blumengefäß“

Unmittelbar darunter steht ein rotes monogrammartiges Zeichen, das als kāo, als stilisierte Signatur, gelesen werden kann. Und genau hier gewinnt das Stück sein besonderes Interesse.

Isotani Sōhei, ein früherer Besitzer der Keramik, hat einen Klebezettel unter dem Boden des Tokkuri befestigt, wie dies in alten japanischen Sammlungen gelegentlich vorkommt. Solche Unterboden-Zettel sind nicht häufig, zeugen von Wertschätzung und geben Einblick in ältere Sammlungszusammenhänge. Auf dem Zettel benennt der Sammler das Stück wie folgt:

桃山代
Momoyama-dai
„Momoyama-Zeit“

古備前
Ko-Bizen
„Altes Bizen“

蕪徳利
kabura tokkuri
„Tokkuri in Rübenform“

碌々斎 花押
Rokurokusai kaō
„Kāo von Rokurokusai“

磯谷宗平所有
Isotani Sōhei shoyū
„Im Besitz von Isotani Sōhei“

Sinngemäß also:

„Kabura-Tokkuri aus altem Bizen, Momoyama-Zeit, mit Kāo von Rokurokusai, im Besitz von Isotani Sōhei.“

Rokurokusai ist der Teename von Sen Sōsa (1837-1910), dem 11. Oberhaupt der Omotesenke-Teeschule. Er gehörte zu den prägenden Gestalten der Teeüberlieferung des 19. Jahrhunderts. Die rote Beschriftung aus seiner Hand würde das Gefäß in einen hochrangigen Tee-Kontext stellen.

Ob das rote Zeichen tatsächlich von Rokurokusai stammt, lässt sich heute nicht mit letzter Sicherheit entscheiden. Der Zettel unter dem Stück belegt jedoch klar, wie das Objekt in älterer Zeit zugeordnet und wertgeschätzt wurde.

Keramisch überzeugt das Tokkuri auch unabhängig von dieser spannenden Provenienz. Form, Scherben und Brandcharakter sprechen eindeutig für ein gutes altes Stück. Der uns unbekannte frühere Besitzer ordnete es in die Momoyama-Zeit ein. Mir selbst erscheint eine Einordnung ins frühe 17. Jahrhundert, also in die frühe Edo-Zeit, vorsichtiger und überzeugender.

Ein sehr schönes Stück mit ausgezeichneter Oberfläche, späterer Tee-Geschichte und einer ungewöhnlich anschaulichen Überlieferung.

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