Fujiwara Ken (1924-1979)
tokkuri
großes Sakegefäß (tokkuri)
Bizen-Keramik
H. 24,2 cm, D. 10,3 cm
Künstler: Fujiwara Ken (1924-1979)
originale Holzdose (tomobako)
Beschriftung:
備前緋襷徳利
Bizen hidasuki tokkuri
建 Ken & sein Siegel
on hold
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Hidasuki 緋襷
Der Begriff Hidasuki bedeutet wörtlich etwa „feuerrotes Band“ und bezeichnet ein besonders charakteristisches Oberflächenbild der Bizen-Keramik. Seine rötlichen bis orangebraunen Linien wirken wie Spuren von Flammen, die sich über den Ton gelegt haben. Sie entstehen durch Reisstroh, das vor dem Brand um das ungebrannte Gefäß gewickelt oder zwischen die Stücke im Ofen gelegt wird. Während des Brandes reagieren Bestandteile des Strohs mit dem eisenhaltigen Bizen-Ton. So bilden sich feine Bänder, Schlieren und lebendige Zeichnungen auf der Oberfläche.
Die Technik steht in enger Verbindung mit der langen Geschichte von Bizen-yaki, einer der ältesten Keramiktraditionen Japans. Bizen-Keramik wird seit Jahrhunderten in der heutigen Präfektur Okayama hergestellt und gehört zu den sogenannten „Sechs alten Brennöfen“ Japans. Berühmt wurde sie durch ihre unglasierte Oberfläche, ihren dichten Ton und die besondere Rolle des Holzbrandes. Farbe und Zeichnung entstehen aus dem Zusammenspiel von Material, Ofenatmosphäre, Asche, Hitze und Zeit.
Hidasuki entwickelte sich ursprünglich aus einer praktischen Notwendigkeit. Das Reisstroh diente dazu, Gefäße beim Brand voneinander zu trennen und Berührungsstellen zu vermeiden. Aus dieser einfachen Schutzmaßnahme entstand im Laufe der Zeit eine geschätzte ästhetische Wirkung. Die roten Spuren des Strohs wurden zu einem eigenen Ausdruck innerhalb der Bizen-Tradition. Sie zeigen, wie eng Funktion, Handwerk und Schönheit in der japanischen Keramik miteinander verbunden sind.
Typisch für Hidasuki ist die Balance zwischen bewusster Gestaltung und natürlichem Zufall. Der Töpfer kann das Stroh legen, wickeln oder an bestimmten Stellen platzieren. Die endgültige Zeichnung bestimmt jedoch der Brand. Temperatur, Sauerstoffzufuhr, Lage im Ofen und die Beschaffenheit des Tons beeinflussen das Ergebnis. Dadurch gleicht kein Stück dem anderen. Jede Hidasuki-Oberfläche bewahrt eine eigene Spur des Feuers.
Bei dieser Tokkuri von Fujiwara Ken zeigen sich die Hidasuki-Spuren als warme, flammenartige Linien auf der helleren Oberfläche. Sie betonen die ruhige Form des Gefäßes und geben ihr zugleich Lebendigkeit. Gerade diese Verbindung aus Zurückhaltung und Ausdruck macht den besonderen Reiz von Bizen aus. Die Oberfläche erzählt von Ton, Stroh, Asche und Feuer — und von einer Tradition, die natürliche Vorgänge seit Jahrhunderten als Teil der Gestaltung versteht.
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