Gniedelsteine

Gruppe von vier Glättsteinen (Glättgläser)

dunkelgrünes bis dunkelbraunes, fast schwarzes Glas
H. 3,5 – 4,7 cm, D. 7,2 – 9 cm

Deutschland, wohl 17./18. Jahrhundert

Provenienz:
Sammlung kirbach.kress

Euro 590,-

Zeichnung von Rolf Cavael

Gniedelsteine, auch Gniddel- oder Gnittelsteine genannt, gehören zu einer Gruppe gläserner Arbeitsgeräte, die über viele Jahrhunderte in nahezu unveränderter Form verwendet wurden. In der archäologischen und kulturhistorischen Literatur wird dafür häufig die Bezeichnung Glättglas verwendet. Die frühesten europäischen Funde reichen bis in das frühe Mittelalter zurück; vergleichbare Stücke blieben regional bis weit in die Neuzeit in Gebrauch.

Die meist runden oder leicht ovalen Glaskörper bestehen aus massiver Glasmasse. Eine Seite ist glatt und mehr oder weniger stark gewölbt und diente als Arbeitsfläche. Auf der gegenüberliegenden Seite finden sich häufig Vertiefungen sowie Heft- und Abrissspuren, die auf den Herstellungsprozess zurückgehen. Das Glas erscheint bei vielen erhaltenen Exemplaren nahezu schwarz, zeigt bei stärkerem Lichteinfall jedoch grüne, olivfarbene oder braune Töne.

Die vorliegende Gruppe besteht aus vier unterschiedlich großen, massiven Glättgläsern mit gewölbten Arbeitsflächen. Rückseitig zeigen sich jeweils charakteristische Heft- und Abrissspuren. Die Stücke unterscheiden sich in Durchmesser, Höhe, Wölbung und Glasfarbe; das Spektrum reicht von dunklem Grün bis zu nahezu schwarz wirkenden Tönen. Besonders deutlich sind die Spuren des langen Gebrauchs: Die ursprünglich glänzenden Oberflächen sind bei allen vier Steinen durch unzählige feine Kratzspuren stark mattiert. Diese ausgeprägte Abnutzung zeugt von einer intensiven und langjährigen Nutzung.

Verwendet wurden Glättgläser vor allem bei der Bearbeitung von Textilien. Mit der glatten Fläche wurde das Gewebe unter Druck geglättet und verdichtet. Besonders eng ist ihre Verwendung mit der Verarbeitung von Leinen verbunden. Auf zahlreichen erhaltenen Exemplaren haben sich Kratz-, Schleif- und Polierspuren erhalten, die vom langen Gebrauch dieser Werkzeuge zeugen.

Glättgläser gehörten über Jahrhunderte zu den gebräuchlichen Geräten der Textilbearbeitung. Ihre Grundform änderte sich dabei nur wenig. Erst mit der zunehmenden Verbreitung metallener Bügel- und Glättgeräte verloren sie allmählich an Bedeutung.

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