Kamerun

Hocker

sehr schweres Holz

H. 50 cm, B. 40 cm T. 38 cm

Kamerun

19./frühes 20. Jahrhundert

Provenienz:
– Karl Heinz Krieg, Neuenkirchen
– André Kirbach Kunsthandel
– Manfred Wandel, Stiftung für Konkrete Kunst Reutlingen

Preis auf Anfrage

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Hocker gehören zu den eindrucksvollsten Objektgattungen der traditionellen Holzschnitzkunst Afrikas. Sie sind Sitzmöbel, Würdezeichen, Erinnerungsobjekte und Skulptur zugleich. In vielen Regionen des Kontinents war ein Hocker niemals nur ein Gebrauchsgegenstand: Er konnte den Rang seines Besitzers sichtbar machen, als persönliches Zeichen weitergegeben werden oder in höfischen und rituellen Zusammenhängen eine besondere Rolle einnehmen. Gerade in Kamerun, mit seinen vielfältigen Königreichen, Hofkulturen und regionalen Schnitztraditionen, entwickelte sich eine außerordentlich reiche Formensprache.

Dieser sehr alte, schwere Hocker zeigt die Verbindung von Funktion und symbolischer Form auf besondere Weise – sein Aufbau ist ungewöhnlich architektonisch: Die runde Sitzfläche ruht nicht einfach auf Beinen, sondern auf einem durchbrochenen, skulptural gegliederten Korpus. Die geschnitzten Pfeiler mit ihren geometrischen Reliefs wirken wie tragende Zeichen. Zickzacklinien, Dreiecke, Kerbreihen und gestaffelte Motive erzeugen eine rhythmische Oberfläche, die das Objekt von allen Seiten belebt.

Von herausragender Wirkung ist die zentrale, ziehharmonikaartige Säule. Sie ist nicht nur konstruktives Element, sondern das visuelle Herz des Hockers. Ihre aufeinanderfolgenden Wülste und Einschnürungen verleihen dem schweren Holz eine fast bewegliche, pulsierende Qualität. Inmitten der massiven Außenstützen entsteht so ein faszinierender Gegensatz: Stabilität und Spannung, Ruhe und Bewegung, Gewicht und Durchlässigkeit.

Afrikanische Hocker sind häufig so gestaltet, dass sie den menschlichen Körper, soziale Ordnung und kosmische Vorstellungen miteinander verbinden. Die Sitzfläche kann als Ort der Autorität verstanden werden, die Basis als Erdung, die tragenden Elemente als Vermittler zwischen beiden Ebenen. Auch bei diesem Stück entsteht der Eindruck eines verdichteten Mikrokosmos: Der Hocker trägt, schützt, zeigt und erzählt. Seine Form ist funktional, aber zugleich weit über die Funktion hinausgedacht.

Die starke Patina, die abgeriebenen Kanten und die dunklen Vertiefungen der Schnitzerei verweisen auf ein hohes Alter und eine lange Geschichte. Dieser Hocker ist ein außergewöhnliches Beispiel kamerunischer Schnitzkunst: kraftvoll, eigenwillig und von seltener gestalterischer Qualität.

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