Isezaki Jun
chawan
Teeschale (chawan)
Bizen-Keramik
H. 8,3 cm, D. 13 cm
Künstler:
„Lebender Nationalschatz“
Isezaki Jun (geb. 1936)
Euro 2.200,-
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Diese Chawan wirkt zunächst zurückhaltend. Nichts an ihr sucht Aufmerksamkeit. Die Form ist ruhig und beinahe streng: eine zylindrische Wandung, ein klar gefasster Rand, ein kompakter Fuß. Alles erscheint selbstverständlich, beinahe nüchtern. Und doch entfaltet sich beim längeren Betrachten eine stille Spannung zwischen Form und Oberfläche.
Die Schale besitzt jene besondere Ruhe, die man nicht als Leere missverstehen darf. Sie entsteht aus Konzentration. Der Tonkörper steht fest auf seinem Fuß, die Wand steigt gleichmäßig auf, ohne sichtbare Geste des Formens. Nichts wirkt demonstrativ. Die Proportionen sind klar, beinahe archaisch.
Erst die Oberfläche beginnt zu sprechen.
Der Holzbrand hat eine feine Landschaft aus Ascheanflug, Feuerfarbe und verdichteten Schmelzspuren hinterlassen. Auf der Schauseite zieht sich eine einzelne, vertikale Spur von Aschefluss über die Wandung. Sie wirkt nicht dekorativ. Eher wie eine natürliche Bewegung des Ofens – ein Moment, in dem Asche, Hitze und Schwerkraft zusammenkamen. Gerade diese Spur gibt der ansonsten stillen Schale ihren inneren Rhythmus.
Der übrige Körper bleibt zurückhaltend. Feine Aschepunkte liegen über dem Ton, die Oberfläche wirkt trocken und lebendig zugleich. Innen verdichtet sich die Farbe zu einem dunkleren Rotbraun, als hätte das Feuer dort länger verweilt.
Solche Schalen leben weniger von spektakulären Effekten als von Haltung. Sie behaupten sich über Balance – zwischen Form und Zufall, zwischen Kontrolle und dem freien Spiel des Ofens.
Ihr Schöpfer, Isezaki Jun (geb. 1936), gehört zu den bedeutendsten Vertretern der japanischen Keramik der Gegenwart. Als Sohn des Bizen-Meisters Isezaki Yōzan wuchs er in einer Umgebung auf, in der das alte Töpferzentrum von Bizen nicht nur Tradition, sondern tägliche Praxis war. Nach Studien an der Tokyo University of Fine Arts kehrte er in seine Heimat zurück und widmete sich konsequent der Weiterentwicklung der Bizen-Keramik.
Bizen gehört zu den ältesten Keramiktraditionen Japans. Der eisenreiche Ton wird ohne Glasur gebrannt; Farbe und Oberfläche entstehen allein durch das Feuer, die Flugasche und die Position des Gefäßes im Ofen. Jeder Brand ist damit ein komplexes Zusammenspiel aus Planung und Zufall.
Isezaki Jun hat diese Tradition nie als starres Erbe verstanden. Seine Arbeiten zeigen eine große formale Klarheit, oft geprägt von ruhigen, geschlossenen Volumen. Gerade in Gefäßen für den Teeweg – Chawan, Mizusashi, Hanaire – interessiert ihn weniger das spektakuläre Oberflächenbild als die innere Geschlossenheit der Form.
2004 wurde er von der japanischen Regierung als Halter der Important Intangible Cultural Property für Bizen-Keramik ausgezeichnet und damit zum Ningen kokuhō („Living National Treasure“) ernannt.
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