Iga hanaire

Vase (hanaire)

Iga-Keramik
H. 27 cm, D. 12 cm

Japan
frühe Edo-Zeit, 17. Jahrhundert

Aufschrift auf dem Dosendeckel:
みゝ付  mimitsuki
伊賀花瓶  Iga kabin
(Iga Blumenvase mit Henkeln)

Aufschrift auf der Dosenseite:
伊賀花瓶  Iga kabin
(Iga Blumenvase)

aufgeklebter Zettel auf der Dosenseite:
古伊賀  Ko Iga
花瓶  kabin
(frühe Iga Blumenvase)

Preis auf Anfrage

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Die frühe Keramik aus der Region Iga nimmt innerhalb der japanischen Hochbrandkeramik eine besondere Stellung ein. Entstanden in abgelegenen, ressourcenreichen Gegenden und gebrannt in lang andauernden Holzfeuern, war sie ursprünglich nicht für repräsentative Zwecke bestimmt. Gefäße dienten dem alltäglichen Gebrauch – als Vorratsbehälter, Wassergefäße oder Transportgefäße – und wurden ohne formale Vereinheitlichung oder dekorative Zielsetzung hergestellt. Gerade diese Zweckgebundenheit und die daraus resultierende Unmittelbarkeit von Material und Form bildeten die Grundlage für ihre spätere Wertschätzung.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts fanden Iga-Gefäße Eingang in den Kontext der Teezeremonie. Teemeister schätzten an ihnen weniger eine ausgearbeitete Form als vielmehr die sichtbaren Spuren von Herstellung und Brand: unregelmäßige Silhouetten, Spannungen im Material und glasige Ascheablagerungen, die nicht geplant, sondern dem Feuer überlassen waren. Diese Qualitäten blieben auch in der frühen Edo-Zeit von Bedeutung, bevor sich erst deutlich später eine bewusst reflektierte Auseinandersetzung mit älteren Formen entwickelte.

Die vorliegende Vase (hanaire) geht in ihrer formalen Anlage auf funktionale Gefäßtypen zurück. Der Körper wurde nicht auf der Scheibe hochgezogen, sondern aufgebaut. Den Boden bildet eine flache Tonplatte, auf der die Wandung schrittweise angesetzt wurde. Diese Bauweise zeigt sich in der unregelmäßigen Silhouette, in leichten Einschnürungen und Spannungen der Wand sowie in der insgesamt massiven und stabilen Erscheinung.

Der Brand erfolgte im Holzofen ohne aufgetragene Glasur. Die glasigen Zonen der Oberfläche sind Ergebnis von Ascheanflug, der sich während eines langen Hochbrandes auf dem Scherben ablagerte, schmolz und mit dem Tonkörper reagierte. Große Teile der Oberfläche sind von dieser Ascheschmelze überzogen. Besonders im oberen Bereich und entlang des Randes ist sie stark ausgeprägt und zeigt eine blasige Struktur. In Zonen hoher Aschekonzentration und intensiver Hitze entwickelten sich transparente bis blaugrün schimmernde Schmelzflächen, deren Ausprägung unmittelbar dem Verlauf von Feuer, Ascheflug und Ofenatmosphäre folgt.

Am inneren Rand setzt sich das Brandbild fort. Auch hier finden sich Ascheablagerungen und ungleichmäßige Verglasung bis ins Innere der Vase, was auf eine exponierte Position des Gefäßes im Ofen schließen lässt.

Die Vase ist ein charakteristisches Beispiel für die Iga-Keramik der frühen Edo-Zeit. In dieser Phase wurden ältere handwerkliche Verfahren und Herstellungsweisen weitergeführt, bevor sich im späteren 18. Jahrhundert eine stärker reflektierte Rückbesinnung auf frühere Formen und eine zunehmend zitathafte Auseinandersetzung mit ihnen entwickelte.

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