Marcel Breuer
Armlehnstuhl B64
Exemplar aus frühester Produktion
Entwurf:
Marcel Breuer, um 1928
Bugholz, verchromtes Stahlrohr
originales Wiener Geflecht
H. 83 cm, B. 62 cm, T. 56 cm
Provenienz:
– Privatsammlung Kassel
Preis auf Anfrage
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Der B 64 ist Teil der Stahlrohrmöbel, die Marcel Breuer in den späten 1920er Jahren entwickelte und realisierte. Der hier gezeigte Armlehnstuhl B 64 stammt aus der frühesten Produktionsphase dieses Modells und gehört zu den selten erhaltenen Exemplaren der ersten Serienausführung. In dieser frühen Form ist der Entwurf noch eng mit dem experimentellen Umfeld des Bauhauses verbunden, aus dem er hervorging.
Marcel Breuer war zu dieser Zeit eine der zentralen Figuren des Bauhauses. Nach seiner Ausbildung dort übernahm er 1925 die Leitung der Möbelwerkstatt und prägte maßgeblich die Entwicklung des modernen Möbelentwurfs. Breuers Arbeit ist gekennzeichnet durch die konsequente Abkehr vom handwerklich-repräsentativen Möbel des 19. Jahrhunderts und durch die Suche nach einer neuen, zeitgemäßen Form, die sich aus Material, Konstruktion und Nutzung ableitet.
Mit dem B 64 übertrug Breuer die industrielle Technik des gebogenen Stahlrohrs dauerhaft in den Wohn- und Objektbereich. Das Material war bis dahin vor allem aus dem Fahrrad- und Maschinenbau bekannt. Am Bauhaus wurde es als Ausdruck einer neuen, funktionalen Gestaltung verstanden, die auf Serienfertigung, Reduktion und strukturelle Klarheit zielte. Der freischwingende Aufbau des Stuhls verzichtet vollständig auf hintere Beine und nutzt die elastischen Eigenschaften des Stahlrohrs als konstruktives Prinzip.
Gleichzeitig verband Breuer diese industrielle Konstruktion bewusst mit traditionellen Materialien. Bugholz und Wiener Geflecht knüpfen an etablierte Möbeltechniken an, werden hier jedoch neu interpretiert und in ein modernes System integriert. Diese Verbindung von Industrie und Handwerk ist ein zentrales Merkmal der Bauhaus-Idee und verleiht dem Entwurf seine besondere Spannung.
Das vorliegende Exemplar zeigt typische Merkmale der frühen Ausführung. Besonders die sehr schlank dimensionierte Rückenlehne ist charakteristisch für die erste Produktionsphase. Ihre geringe Materialstärke verweist auf eine Phase konstruktiver Erprobung, in der formale und statische Fragen noch nicht endgültig gelöst waren. Bereits kurze Zeit später wurde diese Rückenlehne verstärkt, wodurch frühe Stücke wie dieses klar identifizierbar sind.
Sitz und Rücken bestehen aus originalem Wiener Geflecht mit sichtbarer altersbedingter Patina. Auch das verchromte Stahlrohrgestell mit seinen weich geführten Radien und Übergängen entspricht in Proportion und Ausführung den frühen Serienstandards.
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