Shōdai
Kleiner Tempeltisch (shōdai)
Holz, Negoro-Lack, Eisenbeschläge
H. 31,5 cm, 26,5 x 26,5 cm (Tischplatte)
Japan, Edo-Zeit (1603-1868)
ca. 1680-1750
Euro 1.600,-
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Kleine Lacktische dieser Art gehörten zur Ausstattung buddhistischer Tempel und Hausaltäre. Sie dienten als Unterlage für Opfergaben, Räuchergeräte, Blumengefäße oder rituelle Objekte. Ihre Form ist funktional bestimmt: eine klar gegliederte Platte auf geschweiftem Unterbau, durchbrochene Zargen zur Gewichtsreduktion und Stabilisierung, eiserne Beschläge zum Schutz exponierter Kanten. In der Edo-Zeit wurden solche Möbel in spezialisierten Werkstätten gefertigt und fanden sowohl im klösterlichen als auch im gehobenen privaten Kontext Verwendung.
Dieser kleine, quadratische Tisch ist in traditioneller Negoro-Technik gearbeitet. Auf einem dunkelbraunen Grundlack liegt ein roter Decklack (shu-urushi), der sich an exponierten Kanten und Profilen über die Zeit partiell abgetragen hat.
Die Tischplatte zeigt altersbedingte Rissbildung entlang der Holzbewegung sowie differenzierte Gebrauchsspuren. Unter der Lackschicht befindet sich eine stabilisierende Gewebeeinlage (nuno-kise), vermutlich aus grobem Hanf. Diese Technik diente der Rissüberbrückung und strukturellen Festigung größerer Flächen und ist typisch für qualitätsvolle Lackarbeiten des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Die textile Struktur ist an der Unterseite deutlich sichtbar und lässt sich auch im Bereich eines alten Nagellochs auf der Oberseite unter dem Lack erkennen.
Die Metallapplikationen bestehen aus handgeschmiedetem Eisen und sind mit sehr feinen, konisch gearbeiteten Nägeln befestigt. Konstruktion und Ausführung sind funktional gegliedert: geschweifte Beine, durchbrochene Zargen mit eingesetztem Gitter sowie profilierte Übergänge zwischen Platte und Unterbau. Die Form ist ruhig und ausgewogen; sie steht bereits jenseits spätmittelalterlicher Strenge, ohne die weichere Eleganz später Edo-Arbeiten zu zeigen.
Die stilistische Gefestigtheit der Proportionen sowie die konstruktive Ausführung sprechen für eine Entstehung in der Zeit um 1680–1750, also im Umfeld der Genroku-Epoche (1688–1704) und des anschließenden frühen 18. Jahrhunderts. In dieser Phase stabilisieren sich traditionelle Formtypen, während handwerkliche Techniken in hoher Qualität ausgeführt werden.
Nach rund 300 Jahren trägt dieses Tischchen sichtbar die Spuren seiner langen Geschichte – ein kleines Möbel der Edo-Zeit um 1700 von Maß, Ruhe und gewachsener Ausstrahlung.
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