Norditalien
kleine Renaissance-Truhe (Cassina)
massives Nussbaumholz, reich beschnitzt, mit Resten der ursprünglichen partiellen Vergoldung
H. 42,5, Br. 68,5, H. 38 cm
Oberitalien, frühes 17. Jahrhundert
Schloss und eiserne Beschläge einschließlich der aufwendig verzierten Scharnierbänder original. Die vier gedrückten Kugelfüße möglicherweise im 18. Jahrhundert erneuert
Provenienz:
– Päpke & Janowitz, Düsseldorf
– Sammlung kirbach.kress, seit 2011
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Diese außergewöhnlich kleine Renaissance-Truhe gehört zur Tradition der italienischen Cassoni, jener reich gestalteten Truhen, die über Jahrhunderte zur Ausstattung vornehmer Häuser gehörten. In ihrer kompakten Form als sogenannte Cassina vereint sie die aufwendige Gestaltung eines repräsentativen Renaissance-Möbels mit ungewöhnlich bescheidenen Abmessungen.
Die streng architektonisch gegliederte Vorderseite zeigt zwei tief geschnitzte Reliefs mit symmetrisch verschlungenen Blatt- und Blütenranken, die von schmalen Pilastern eingefasst werden. Darüber verläuft ein umlaufender Fries aus kleinen Rundbogenarkaden. Kräftige Voluten, fein ausgearbeitete Blätter und reich ornamentierte Zierleisten bestimmen das Erscheinungsbild. Bemerkenswert sind die erhaltenen Reste der ursprünglichen partiellen Vergoldung in den fein strukturierten Hintergründen der Reliefs.
Auch die originalen Eisenbeschläge verdienen besondere Aufmerksamkeit. Das von oben zu bedienende Schloss und die beiden aufwendig gravierten Scharnierbänder mit ihren spiralig eingerollten Enden zeugen von der handwerklichen Sorgfalt, mit der selbst die verborgenen Teile dieses Möbels gestaltet wurden. Im Inneren befindet sich ein kleines Seitenfach. Die über Jahrhunderte gealterte Deckeloberfläche bewahrt alte Ritzungen und eine dunkle, wappenartige Markierung, deren Bedeutung bislang ungeklärt ist.
Wir entdeckten die Truhe 2011 bei Jens Päpke im Archiv der Düsseldorfer Antiquitätenhandlung Päpke & Janowitz. Sie stammte noch aus der persönlichen Truhensammlung seines Vaters, der über Jahrzehnte zu den angesehensten Antiquitätenhändlern des Rheinlandes gehörte.
Mit ihren außergewöhnlichen Proportionen, der qualitätvollen Schnitzerei und der weitgehend bewahrten historischen Oberfläche ist diese kleine Cassina ein bemerkenswertes Zeugnis norditalienischer Möbelkunst des frühen 17. Jahrhunderts.
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