Shigaraki tsubo

Gefäß (tsubo)

Shigaraki-Keramik
H. 12,3 cm, D. 10,6 cm

Japan

Momoyama-Zeit
um 1600

 on hold

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Schlicht, schmucklos, etwas bäuerlich kommt dieser kleine tsubo daher. In der Wandung hat ein grobes Quarzkorn beim Brand die Oberfläche durchstoßen – ein zufälliger Effekt, der an geologische Urgewalten erinnert. Seine grobe Oberflächenstruktur unterstreicht seine einfache Erscheinung. Etwas armselig, könnte man meinen. Doch hat der Töpfer hier vor langer Zeit etwas „auf den Punkt“ gebracht, was für uns, deren Wurzeln auf dem griechischen Ideal von Schönheit und Perfektion beruhen, nicht so einfach zu verstehen ist: Wabi-sabi – das japanische Verständnis von der Schönheit des Einfachen, des Anspruchslosen, der Spuren des Alterns wie Macken, Brüche und der über die Zeit gewachsenen Patina.

Wilhelm Gundert (1880-1971), bedeutender Ostasienwissenschaftler und Cousin von Hermann Hesse, erläuterte den Begriff wabi-sabi wie folgt:
Ursprünglich bedeutet „wabi“: sich elend, einsam und verloren fühlen. Dies wandelte sich zur Freude an der Herbheit des Einsam-Stillen. Aber erst in der Verbindung mit „sabi“: alt sein, Patina zeigen, über Reife verfügen, entstand die eigentlich nicht übersetzbare Begriffseinheit, die den Maßstab der japanischen Kunstbewertung bildet. Nicht die offenkundige Schönheit ist das Höchste, sondern die verhüllte, nicht der unmittelbare Glanz der Sonne, sondern der gebrochene des Mondes. Der bemooste Fels, das grasbewachsene Strohdach, die knorrige Kiefer, der leicht berostete Teekessel, das und ähnliches sind die Symbole dieses Schönheitsideals. Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbaren.“

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