Shimizu Uichi (1926-2004)
Kaki-yu hachi

große Schale (hachi)

Kaki-yu tenmoku-Keramik
H. 7,5 cm, D. ca. 25 cm

Shimizu Uichi 清水卯一 (1926-2004)
Lebender Nationalschatz (ningen kokuhô)

Beschriftung Dosendeckel:
柿天目釉 kaki tenmoku yū
(kaki-/persimonenfarbene Tenmoku-Glasur)
  hachi (Schale)
übers.: Schale mit persimonenfarbener Tenmoku-Glasur

Signatur:
卯一  Uichi
sein
Siegel: 清水  Shimizu

Euro 1.800,-

Ein japanisches Negoro-Lack Tablett.

Shimizu Uichi (1926–2004) gehört zu den bedeutenden japanischen Keramikern des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Kyoto als Sohn einer Keramikhändlerfamilie geboren und kam früh mit dem traditionellen Töpferhandwerk in Berührung. Bereits als Jugendlicher lernte er bei Ishiguro Munemaro, einem der wichtigsten japanischen Keramiker seiner Zeit. Später arbeitete Shimizu am staatlichen Keramikforschungsinstitut und am Städtischen Forschungsinstitut für Kunsthandwerk in Kyoto. Die Verbindung von handwerklicher Praxis und genauer Beschäftigung mit Ton, Glasur und Brand blieb für seine gesamte Arbeit bestimmend.

Schon in den frühen 1950er Jahren begann Shimizu intensiv mit Eisenoxidglasuren zu experimentieren. Dabei entstanden unterschiedliche Glasuren in tiefem Schwarz und Braun ebenso wie warme Rot- und Orangetöne. Zu diesen Entwicklungen gehört auch die Kaki-Glasur, deren Bezeichnung sich auf die Farbe der reifen Persimone bezieht.

Für Shimizu war die Beschäftigung mit historischen Glasuren immer Ausgangspunkt eigener Versuche. Besonders die Keramik der chinesischen Song-Zeit hatte ihn bereits in jungen Jahren beeindruckt. Historische Techniken und Gefäßformen wurden von ihm genau studiert und anschließend in eine eigene, zeitgenössische Formensprache überführt.

1958 zeigte Shimizu seine erste Einzelausstellung in Tokio. In den folgenden Jahren erhielt er zahlreiche wichtige Auszeichnungen. 1970 verlegte er seine Werkstatt von Kyoto nach Horai in der Präfektur Shiga, am Fuß der Hira-Berge mit Blick auf den Biwa-See. Dort begann eine neue Phase seiner Arbeit. Er verwendete verstärkt Tone und mineralische Materialien aus der Umgebung und entwickelte daraus neue Glasuren und Oberflächen.

Kennzeichnend für Shimizus Arbeit blieb dabei eine große Offenheit gegenüber dem Material. Auch nach jahrzehntelanger Erfahrung und internationaler Anerkennung setzte er seine Versuche mit unterschiedlichen Tonen, Glasuren und Brennverfahren fort. Der Brand war für ihn kein ausschließlich kontrollierbarer Vorgang. Gerade die Veränderungen, die sich erst im Ofen ergeben, gehörten wesentlich zu seinem Verständnis von Keramik.

1985 wurde Shimizu Uichi für seine Arbeiten mit Eisenoxidglasuren zum „Lebenden Nationalschatz“ ernannt. 

Die hier gezeigte Kaki-yu hachi gehört unmittelbar in diesen Zusammenhang. Mit einem Durchmesser von etwa 25 cm besitzt die Schale eine weit geöffnete, flache Form, die der Glasur eine große zusammenhängende Fläche erlaubt. Warme Rot- und Rotbrauntöne bestimmen die Oberfläche; dunklere Partien und feine Veränderungen entstehen aus dem Zusammenspiel von Glasur, Ton und Brand.

Die Form der Schale bleibt ruhig und klar. Ihre Oberfläche wird von einem warmen Rot- bis Rotbraunton bestimmt. Darin liegen dunklere Flecken und feine Sprenkelungen, die die weitgehend einfarbige Glasur gliedern. Diese Veränderungen gehören zum charakteristischen Erscheinungsbild eisenhaltiger Tenmoku-Glasuren: Je nach Stärke des Glasurauftrags und den Bedingungen während des Brandes können sich unterschiedliche Konzentrationen und dunklere Bereiche ausbilden. Gerade die Erforschung solcher Eisenoxidglasuren beschäftigte Shimizu über Jahrzehnte und wurde zu einem zentralen Bereich seines keramischen Werks.

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