Thomas Baumhekel (geb. 1963)
Stockschrift, 1996
棒書 Stockschrift
Ölfarbe auf Holz
130 x 30 cm
sold
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Im Japanischen bezeichnet bōsho 棒書, die „Stockschrift“, eine stark vereinfachte, nüchterne Schreibweise: Striche werden gerade, ohne Schwung und Variation gesetzt, wie mit einem Stab gezogen. Sie steht für Klarheit und Zweckmäßigkeit und verzichtet bewusst auf kalligrafische Virtuosität.
Thomas Baumhekel greift diesen Begriff auf und überführt ihn in eine bildnerische Setzung. Auf einem groben Brett zieht sich eine dunkle, vertikale Form empor, wie ein einziger, konzentrierter Strich. Nicht geschrieben mit der Hand, sondern mit dem Körper: Die Farbe wird von unten nach oben geschoben, in stiller Anspannung und größter Konzentration.
Der Stock wird hier nicht zum Buchstaben, sondern zum Träger einer Handlung zwischen Malerei und Kalligrafie. Schreiben erscheint als elementare Bewegung, als ein unteilbarer, unumkehrbarer Akt, ganz im Moment verankert und der Übung des Zen verwandt.
So zeigt sich die Stockschrift als eine radikal reduzierte Form: eine verdichtete Spur des Tuns, in der sich Schreiben und Bild, Material und Bewegung ineinander verschieben.
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