WMF

Ikora Unika-Vase

mundgeblasenes, mehrschichtiges Glas mit grüner Färbung, rotbraunen bis kupferroten Farb- und Oxideinschmelzungen sowie Lufteinschlüssen
H. 24,5 cm, B. 22,5 cm, T. 9,5 cm, Gewicht: 3,8 kg

WMF, Geislingen
(Württembergische Metallfabriken)

Karl Wiedmann, Dekortechnik
wohl 1930er Jahre

Unikat

 sold

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Diese Unika-Vase gehört zur experimentellen Ikora-Produktion der Württembergischen Metallwarenfabrik in Geislingen. Der frei geformte, stark abgeflachte Glaskörper ist überwiegend transparent gehalten. Rotbraune bis kupferrote Einschmelzungen liegen im Glas, während sich der obere Bereich in ein kräftiges Grün bis tiefes Blaugrün verdichtet. Luftblasen und kleinere Unregelmäßigkeiten gehören unmittelbar zum Aufbau des Glases und geben dem Stück seinen handwerklichen Charakter.

Die WMF hatte bereits 1883 eine eigene Glashütte eingerichtet, zunächst vor allem, um Glaseinsätze für die Metallwarenproduktion im eigenen Haus herstellen zu können. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Bereich neu aufgebaut und deutlich erweitert. Eine zentrale Rolle spielte dabei Karl Wiedmann, der 1925 zur WMF kam und schon kurze Zeit später die Leitung der Glashütte übernahm. Wiedmann war ausgebildeter Glasbläser, Schleifer und Graveur und hatte anschließend an der Glasfachschule in Zwiesel studiert. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Glashütte in den späten 1920er und 1930er Jahren zu einem ausgesprochen experimentellen Bereich innerhalb der WMF.

Zunächst entstand das sogenannte Myra-Glas mit seinen irisierenden Oberflächen. Aus Versuchen mit diesen Gläsern entwickelte Wiedmann ab 1927 das Ikora-Kristall. Dabei wurden mehrere gefärbte oder strukturierte Glasschichten miteinander verbunden und Farbpartikel, Oxide und andere Materialien zwischen den einzelnen Schichten eingeschlossen. Gerade aus dem Zusammenspiel von Hitze, Farbe und Material entstanden immer wieder neue Wirkungen. Die erste Ikora-Kollektion wurde 1927 vorgestellt und entwickelte sich bald zu einem wichtigen Teil der künstlerischen Glasproduktion der WMF.

Neben seriell hergestellten Vasen und Schalen entstanden auch Unika. In diesen Arbeiten konnte Wiedmann die Möglichkeiten des Materials besonders frei erproben. Die Gestaltung ergab sich dabei zu einem erheblichen Teil unmittelbar während des Herstellungsprozesses: durch das Überfangen, erneute Erhitzen, Ziehen, Stauchen und Formen des Glases sowie durch die Reaktion der eingebrachten Farben und Oxide. Gerade darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu den stärker festgelegten Serienformen.

Die hier vorgestellte Vase zeigt diese Arbeitsweise besonders anschaulich. Die weitgehend klare Wandung lässt die kupferroten Einschmelzungen im Inneren sichtbar werden, während sich das grüne Glas zum Hals hin zunehmend verdichtet. Am Hals wird der mehrschichtige Aufbau besonders deutlich: mehrere unterschiedlich gefärbte Glaslagen liegen übereinander und gehen von transparentem Grün in ein tiefes Blaugrün über.

Die Ikora-Gläser gehören zu den eigenständigsten Erzeugnissen der WMF in der Zwischenkriegszeit. Wiedmann entwickelte im Laufe dieser Jahre eine große Zahl unterschiedlicher Rezepturen und Dekorvarianten. Die erhaltenen Arbeiten zeigen, wie weit das Spektrum von ruhigeren Serienformen bis zu ausgesprochen freien und experimentellen Unika reichen konnte.

Aufgrund der Technik, der Form und der Farbgebung dürfte die Vase in den 1930er Jahren entstanden sein.

 

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