WMF
Ikora Unika-Vase
mehrschichtiges, mundgeblasenes Glas mit rotbraunen und schwarzen Einschmelzungen, kupferfarbenen Metallfäden und zahlreichen Lufteinschlüssen
H. 21 cm, D. 22,5 cm, Gewicht: 4,8 kg
WMF, Geislingen
(Württembergische Metallfabriken)
Karl Wiedmann, Dekortechnik
wohl 1930er Jahre
Unikat
sold
… please scroll down …
Die Vase gehört zur Gruppe der Ikora-Gläser der Württembergischen Metallwarenfabrik in Geislingen. Innerhalb dieser Produktion nimmt sie durch ihre freie, stark experimentelle Gestaltung eine besondere Stellung ein. Der schwere, gedrungene Glaskörper ist aus mehreren Schichten aufgebaut. In ihm liegen rotbraune und schwarze Einschmelzungen, feinste kupferfarbene Metallfäden sowie zahlreiche kleine und größere Lufteinschlüsse. Besonders im Fußbereich haben sich größere Luftblasen zwischen den Glasschichten gebildet.
Die Vase erscheint beinahe schwarz. Erst bei starkem Lichteinfall werden die rotbraunen und kupferfarbenen Partien sichtbar. Die feinen Metallfäden ziehen sich in unregelmäßigen Strukturen durch das Glas und verdichten sich stellenweise zu dunklen, fast schwarzen Bereichen. Das Dekor liegt vollständig im Inneren des Glases und verändert seine Wirkung deutlich mit dem Lichteinfall.
Die Entwicklung der Ikora-Gläser ist eng mit Karl Wiedmann verbunden, der seit den 1920er Jahren die Glasgestaltung der WMF wesentlich prägte. Aus seinen Versuchen mit mehrschichtigem Glas, farbigen Einschmelzungen, Metalloxiden und weiteren Materialien entstand ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre eine neue Form von Kunstglas. Die erste Ikora-Kristall-Kollektion wurde 1927 auf der Leipziger Messe vorgestellt. In den folgenden Jahren entstanden sowohl serielle Arbeiten als auch Unika-Gefäße, bei denen die Möglichkeiten des Materials besonders weit ausgelotet wurden.
Gerade diese Unika zeigen den experimentellen Charakter der WMF-Glasproduktion sehr deutlich. Beim Auftragen, Überfangen, erneuten Erhitzen und Verschmelzen der einzelnen Schichten entstanden Farbverläufe, Einschlüsse und Blasen, die sich nur bedingt steuern ließen. Das Ergebnis war bei jedem Stück anders.
Auch bei dieser Vase bestimmen diese Prozesse das Erscheinungsbild. Die kupferfarbenen Fäden, die dunklen Einschmelzungen und die unterschiedlich großen Luftblasen bilden ein dichtes Gefüge im Inneren des Glases. Die Form selbst bleibt ruhig und geschlossen und gibt dem Material dadurch umso mehr Raum.
Die Ikora-Produktion begann Ende der 1920er Jahre, wurde während des Krieges unterbrochen und nach 1945 noch für kurze Zeit fortgeführt. Aufgrund der Form und der besonders freien, experimentellen Ausführung erscheint bei diesem Unikat eine Entstehung in den 1930er Jahren am wahrscheinlichsten.
« zurück
