Zum Abschied von Düsseldorf …

Über 80 Gäste, mehr als 30 Flaschen Wein und eine Stimmung, die schöner kaum hätte sein können. Was für eine wunderbare Eröffnung unserer Abschiedsausstellung am 23. Oktober in Düsseldorf! Bis in den späten Abend hinein wurde erzählt, gelacht und angestoßen.

So viele schöne Gespräche, so viel Herzlichkeit und so viele Menschen, die uns über all die Jahre begleitet haben. Es war ein Abend, den wir beide sicherlich noch lange in Erinnerung behalten werden. Und bei aller Vorfreude auf das, was hier an der Küste vor uns liegt, fällt uns der Abschied von Düsseldorf nun doch ein wenig schwerer.

Die beiden Fotografien zeigen uns im Februar 2009, als wir unsere Galerie in der Klosterstraße eröffneten, und fast 18 Jahre später, am Abend unserer letzten Ausstellungseröffnung. Zwei Bilder, zwischen denen ein großes Stück unseres Lebens liegt.

Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung von Robert Mapplethorpe verabschieden wir uns nun aus Düsseldorf. Die Fotografien stammen aus einer Privatsammlung und sind in dieser Zusammenstellung nur selten zu sehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. November 2026 und ist jeweils freitags, samstags und sonntags geöffnet. 

Was mir an diesem Abend durch den Kopf ging und was ich unseren Gästen zum Abschied mit auf den Weg geben wollte, habe ich in meiner Eröffnungsrede zusammengefasst, die hier im Anschluss zu lesen ist.

Die romanische Talkirche von Avers-Cresta. Im Schnee.
Eine Skulptur von Abraham David Christian befindet sich temporär in einer Mauernische der Kirche von Avers-Cresta.

Ein paar Worte zum Abschied

Eröffnungsrede vom 23. Oktober 2026

Liebe Gäste der Galerie, liebe Freunde,

„Die Fotografien sind, glaube ich, weniger wichtig als das Leben, das man führt.“

Ein bemerkenswerter Satz von Robert Mapplethorpe, dem wir unsere heutige Ausstellung gewidmet haben.

Und ein Gedanke, der mir ausgesprochen passend erscheint, wenn ich auf unsere 18 Jahre hier in der Klosterstraße zurückblicke. Denn natürlich haben wir in diesen Räumen viel Kunst gezeigt, gehandelt und verkauft. Aber was sich in all diesen Jahren darüber hinaus entwickelt hat, ist mindestens ebenso beachtenswert.

Als wir 2008 diese Räume anmieteten, war Düsseldorf für mich längst vertrautes Terrain. Nach 6 Jahren Tätigkeit im Kunsthandel, hatte ich mich bereits im Januar 2000 selbstständig gemacht und in Derendorf eine Etagengalerie eröffnet, damals noch mit dem Schwerpunkt Afrikanische Kunst.

Im Februar 2009 eröffneten mein Mann Jörg Kirbach-Kreß und ich dann gemeinsam unsere Galerie hier in der Klosterstraße. Was daraus in den folgenden 18 Jahren werden würde, konnten wir damals natürlich noch nicht ahnen.

Stetig entwickelte sich das Programm der Galerie weiter. Zur afrikanischen Kunst kam 2009 die zeitgenössische Kunst hinzu, mit Künstlern wie Hede Bühl, Jörg Bürkle, Abraham David Christian, Günter Dohr, Heiner Koch, Erich Reusch, Keiko Sadakane und Frank Weidenbach sowie vielen weiteren interessanten Positionen. Insgesamt habe ich seit meinen Anfängen mehr als einhundert Ausstellungen veranstaltet.

Hier in der Klosterstraße rückte auch die japanische Kunst und insbesondere die japanische Keramik in den Mittelpunkt meiner Arbeit. Und gerade die Verbindung dieser so unterschiedlichen künstlerischen Positionen wurde über die Jahre zu einem besonderen Merkmal unserer Galerie.

Dieses Konzept haben wir dann auch auf die großen Kunstmessen übertragen. Seit 2010 waren wir regelmäßig auf der Cologne Fine Art vertreten, mit Messeständen von teilweise über einhundert Quadratmetern.

Da stand dann eine japanische Teeschale neben einer zeitgenössischen Skulptur oder einem Bauhaus-Möbel. Das mag zunächst nach einer etwas eigenwilligen Gesellschaft klingen, aber genau solche Zusammenstellungen haben mich immer interessiert.

Wir haben in diesen Jahren Kunst in ganz Deutschland verkauft, aber ebenso in die Schweiz, nach Schweden, Spanien, in die USA und nach Japan. Viele dieser Arbeiten haben dort längst ihren festen Platz gefunden, und manche der Sammler begleiten unsere Galerie bis heute.

Natürlich hat sich in dieser Zeit auch der Kunsthandel grundlegend verändert.

Meine erste Internetseite hatte ich übrigens schon 1998. Damals war es noch ziemlich ungewöhnlich, Kunst im Internet zu betrachten, geschweige denn zu kaufen.

Als wir 2009 hier eröffneten, hatten wir immer noch Mobiltelefone, mit denen man tatsächlich hauptsächlich telefonierte. Heute tragen wir praktisch unser gesamtes Geschäft in der Hosentasche, und Kunstwerke reisen um die halbe Welt, ohne dass der Käufer sie zuvor persönlich gesehen hat.

Während der Kunsthandel immer schneller und internationaler wurde, wuchs bei Jörg und mir der Wunsch, unser privates Leben ein wenig ruhiger zu gestalten. Und so kam Ostfriesland ins Spiel.

2014 kauften wir ein kleines Landarbeiterhäuschen in der Krummhörn. Eigentlich hatten wir damit zunächst einmal nur einen schönen Rückzugsort an der Küste gefunden. Dass daraus so schnell unser neuer Lebensmittelpunkt werden würde, war ursprünglich gar nicht geplant.

Aber schon ein Jahr später kauften wir den ehemaligen Dorfmarkt in Pilsum, unmittelbar neben der historischen Kreuzkirche aus dem 13. Jahrhundert.

2020 wurde daraus nach umfangreichem Umbau eine großzügige Galerie mitten im historischen Dorfkern.

So hatten wir plötzlich zwei Galerien. Eine in Düsseldorf und eine in einem kleinen ostfriesischen Dorf am Ende der Welt, direkt am Deich.

Und tatsächlich haben wir beide Standorte noch fünf Jahre lang parallel betrieben. Das funktionierte gut, war allerdings auch mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Und da es mich bekanntermaßen nur einmal gibt, war irgendwann klar, dass wir uns auf einen Standort konzentrieren müssen.

Dass dieser Standort Pilsum sein würde, hat sich in den vergangenen Jahren ganz selbstverständlich ergeben.

Viele unserer Düsseldorfer Kunden haben uns dort schon besucht. Gleichzeitig sind an der Küste zahlreiche neue Verbindungen entstanden. Auch durch meine mittlerweile zehnjährige Tätigkeit als Leiter des Auricher Kunstvereins bin ich mit der Region eng verbunden. Jörg und ich gründeten gemeinsam mit Freunden 2018 die Kunststiftung Krummhörn.

Wir freuen uns deshalb sehr darauf, unsere Arbeit künftig dort oben an der Küste fortzusetzen.

Und ich freue mich besonders, dass die Klosterstraße weiterhin ein Ort für Kunst bleiben wird.

Zum Jahreswechsel übernehmen Fabian und Fred Stump gemeinsam mit Lisa Damberg diese Räume. Die drei werden hier mit ihrer Galerie Gebr. Stump weitermachen, und ich wünsche ihnen dafür viel Erfolg – und mindestens ebenso interessante Jahre, wie wir sie hier erlebt haben.

Aber nun noch ein paar Worte zu Robert Mapplethorpe.

Ich war ungefähr zwanzig Jahre alt, als ich auf der Art Cologne zum ersten Mal Fotografien von ihm sah. Ich studierte damals Objekt-Design mit dem Schwerpunkt Fotografie und war sofort fasziniert von der Klarheit seiner Kompositionen, seinem ausgeprägten Gefühl für Form und der geradezu strengen Ordnung seiner Motive.

Ich kaufte mir damals meinen ersten Mapplethorpe-Bildband, den ich übrigens bis heute besitze.

Wenn ich heute darüber nachdenke, erkenne ich durchaus eine Verbindung zu meiner späteren Arbeit als Kunsthändler. Diese Konzentration auf das Wesentliche hat mich immer interessiert, ob in der japanischen Keramik, in der zeitgenössischen Skulptur oder im Design.

Und so finde ich es ausgesprochen schön, dass wir unsere Düsseldorfer Ausstellungstätigkeit ausgerechnet mit Robert Mapplethorpe abschließen können.

Die heute gezeigten Fotografien stammen aus einer Privatsammlung und wurden uns eigens für diesen Anlass zur Verfügung gestellt. Darüber freue ich mich sehr.

Liebe Gäste,

nach 33 Jahren im Düsseldorfer Kunsthandel, 26 Jahren Selbstständigkeit und 18 Jahren hier in der Klosterstraße ist für uns nun der richtige Zeitpunkt gekommen, dieses große Kapitel abzuschließen.

Unsere Arbeit geht in Pilsum weiter. Und sollten Sie einmal an der ostfriesischen Küste sein, wissen Sie ja jetzt, wo Sie uns finden.

„Die Fotografien sind, glaube ich, weniger wichtig als das Leben, das man führt.“

Vielleicht hat Mapplethorpe recht. Nur lässt sich beides schwer voneinander trennen. Seine Fotografien sind aus dem Leben entstanden, das er geführt hat. Und sie haben ihrerseits beeinflusst, wie andere Menschen  die Welt betrachten. So gehört gerade auch die Kunst zu den Erfahrungen, die unser Leben prägen.

Oder, um zum Schluss Vicco von Bülow ein wenig abzuwandeln:

„Ein Leben ohne Kunst ist möglich, aber sinnlos.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude mit der Ausstellung, interessante Gespräche und einen schönen Abend!

Vielen Dank!