Pieter Voecke van Aelst

Römischer Feldherr

Tusche auf Papier

26 x 19 cm
52 x 45 cm (Rahmen)

wohl Brüssel, um 1530

Teil eines Entwurfes für eine Tapisserie
Werkstatt Pieter Coecke van Aelst (?)

Provenienz:
– Kunsthandel Ralph R. Haugwitz, Berlin, 2013
– seitdem Sammlung kirbach.kress

Rahmung: Schorn & Peeters, Düsseldorf

Euro 4.500,-

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Das Blatt zeigt einen bärtigen römischen Feldherrn als Halbfigur. Der Kopf ist leicht zur Seite gedreht, während die Augen unmittelbar auf den Betrachter gerichtet sind. Gesicht, Bart und Haare sind mit feinen, eng gesetzten Linien und Schraffuren ausgearbeitet. Besonders im Bereich der Stirn, der Augen und der Wangen entsteht daraus eine sehr plastische Modellierung. Die Gewandung ist freier behandelt und in größeren Linienzügen angelegt. Gerade dieser Wechsel zwischen dem genau durchgearbeiteten Kopf und der großzügigeren Zeichnung des Körpers bestimmt den Charakter des Blattes.

Die Zeichnung wurde 2013 im Berliner Kunsthandel Ralph R. Haugwitz erworben. Dort wurde sie der Werkstatt Pieter Coecke van Aelsts zugeschrieben, um 1530 nach Brüssel datiert und als Teil eines Entwurfs für eine Tapisserie eingeordnet.

Brüssel gehörte im frühen 16. Jahrhundert zu den wichtigsten europäischen Zentren der Tapisserieherstellung. Pieter Coecke van Aelst, der vor allem in Antwerpen tätig war und eng mit der Brüsseler Wirkerei verbunden war, zählte zu den bedeutenden Entwerfern seiner Generation. In seinen Arbeiten verbinden sich die niederländische Zeichentradition und die zunehmend von der italienischen Renaissance geprägte Auffassung der menschlichen Figur.

Der Entwurf einer großen Tapisserie entstand in mehreren Arbeitsschritten. Auf erste zeichnerische Überlegungen folgten genauer ausgearbeitete Entwürfe; für die eigentliche Ausführung wurden schließlich Kartons in größerem Maßstab angefertigt, an denen sich die Weber orientierten. Von Coecke und seiner Werkstatt sind Zeichnungen und Kartonfragmente aus diesem Zusammenhang erhalten.

Gerade die menschliche Figur spielte in diesen Entwürfen eine zentrale Rolle. Historische, biblische und antike Stoffe wurden durch klar lesbare Gesten, kräftige Körperhaltungen und markante Physiognomien erzählt. Soldaten, Herrscher und bärtige Männer begegnen in diesen Kompositionen immer wieder. Auch der römische Feldherr dieses Blattes gehört in diese Bildwelt.

Besonders auffällig ist sein Blick. Die Augen sind so unmittelbar auf den Betrachter gerichtet, dass beim Vorübergehen ein eigentümlicher Effekt entsteht: Steht man links von der Zeichnung, scheint der Feldherr einen anzusehen; geht man an ihm vorbei, folgt sein Blick. Das ist eine dieser kleinen Besonderheiten, die man an dem Blatt nicht vergisst.

Seit 2013 befindet sich die Zeichnung in unserer Privatsammlung. Sie gehörte für uns zu den Blättern, die man über viele Jahre mit unverändertem Interesse betrachtet. Vor allem der direkte Blick des Feldherrn, der einem beim Vorübergehen zu folgen scheint, macht einen besonderen Reiz der Zeichnung aus.
Für das Blatt ließen wir bei Schorn & Peeters in Düsseldorf einen eigenen Rahmen anfertigen, der aus unserer Sicht ganz wesentlich zu seiner Wirkung beiträgt. Die dunkle, fein profilierte Rahmung mit der zurückhaltenden Vergoldung fasst die Zeichnung präzise und gibt ihr zugleich die nötige Ruhe.

Nach dreizehn Jahren in unserer Sammlung haben wir uns nun entschieden, das Blatt weiterzureichen. (AK)

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